Im ersten Teil versteckten sich Blüten in Kaperngläsern, Gewürzen und Hibiskustee. Jetzt sind Zucchini, Veilchen, Schnittlauch und sogar Feijoa eingeladen. Jeder Gast bringt einen eigenen Geschmack und einen bestimmten essbaren Pflanzenteil mit.

Teil eins: zehn Geschichten, in denen die Küche widersprach

Die sprechenden Pflanzen sind erfunden; botanische Angaben haben Quellen. Verwenden Sie nur sicher bestimmte Arten in Lebensmittelqualität. Waschen macht Floristenblumen oder behandelte Zierpflanzen nicht zu Lebensmitteln. Fotos ersetzen keinen Bestimmungsschlüssel. Unbekannte Lebensmittel zunächst in kleinen Mengen und unter Berücksichtigung von Allergien probieren.

1. Zucchini: das Restaurant öffnet vor der Ernte

Cucurbita pepo

Cucurbita pepo

Die Zucchini war noch kaum gewachsen, da deckte der Koch den Tisch. Die gelbe Blüte rechnete mit einem Platz neben der Serviette. Stattdessen bekam sie eine Füllung und einen eigenen Eintrag auf der Speisekarte.

Geprüfte Information. Kürbisse bilden männliche und weibliche Blüten; unter der weiblichen sitzt ein kleiner fruchtförmiger Fruchtknoten. Zum Ernten wählt man meist männliche Blüten und lässt einige zur Bestäubung stehen.

Kulinarische Verwendung. Blüten essbarer Kulturkürbisse lassen sich füllen oder im Teigmantel garen. Möglichst frisch verwenden; Zierkürbisse sind nicht gemeint. Das Foto zeigt eine männliche C.-pepo-Blüte, nicht zwingend eine Zucchinisorte.

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Foto: Forest & Kim Starr · Wikimedia Commons · CC BY 3.0

2. Veilchen: ein kleines Juwel für die Konditorei

Viola odorata

Viola odorata

Ein Veilchen landete auf einer Torte und wähnte sich beim Juwelier. Überall glitzerte Zucker. Auch die kleine Blüte bekam ein funkelndes Kleid und einen Ehrenplatz ganz oben.

Geprüfte Information. Duftveilchen können kandiert Desserts schmücken. Das als Afrikanisches Veilchen bekannte Usambaraveilchen ist eine andere Pflanze und kein Ersatz.

Kulinarische Verwendung. Verwendet werden Blüten von Viola odorata in Lebensmittelqualität. Nicht jeder Topf mit violetten Blüten ist gemeint; zum Kandieren ein geprüftes lebensmittelsicheres Rezept nutzen.

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Foto: Uoaei1 · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

3. Schnittlauch: ein Strauß mit Zwiebelcharakter

Allium schoenoprasum

Allium schoenoprasum

Der violette Pompon sah aus, als ginge er zu einer Hochzeit. Der Salat erwartete einen süßen Blumengast. Doch der Besucher stellte sich als Zwiebelverwandter vor: Ein schönes Kleid verpflichtet nicht zum Berufswechsel.

Geprüfte Information. Beim Schnittlauch sind neben den röhrenförmigen Blättern auch die lilafarbenen Blüten essbar.

Kulinarische Verwendung. Die kleinen Blüten passen in Salate. Gemeint ist Allium schoenoprasum; weiß blühender Knoblauch-Schnittlauch gehört zu einer anderen Art.

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Foto: Jamain · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

4. Dill: ein Schirm, der keinen Regen braucht

Anethum graveolens

Anethum graveolens

Dill spannte einen gelben Schirm über dem Beet auf. Die Gurken erwarteten Regen. Doch der Schirm hatte einen Termin im Einmachglas: Auch Sommeraccessoires können als Gewürz Karriere machen.

Geprüfte Information. Dillblätter, Samen und Blüten werden kulinarisch verwendet, auch zum Einlegen. Ein blühender Schirm trägt noch keine reifen Samen.

Kulinarische Verwendung. Die Blüten würzen Soßen und Fischgerichte. Bei Konserven ein geprüftes Rezept befolgen: Aroma ersetzt weder die nötige Säure noch die Verarbeitung.

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Foto: Zeynel Cebeci · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

5. Nelke: die Namensvetterin kommt zu Wort

Dianthus caryophyllus

Dianthus caryophyllus

Im ersten Teil trat die Gewürznelke als tropisches Baumprodukt auf. Die Gartennelke verlangte eine eigene Einladung. Sie erschien mit gerüschten Blütenblättern und erklärte: Namensverwandtschaft ist noch keine Austauschbarkeit.

Geprüfte Information. Gartennelken der Gattung Dianthus sind andere Pflanzen als der Gewürznelkenbaum Syzygium aromaticum. Bei essbaren Nelkenblättern entfernt man den bitteren weißen Ansatz.

Kulinarische Verwendung. Blütenblätter in Lebensmittelqualität setzen einen kleinen Akzent. Floristensträuße eignen sich dafür auch bei passendem Artnamen nicht.

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Foto: Takkk · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

6. Indianernessel: ein Teegast mit wilder Frisur

Monarda didyma

Monarda didyma

Die Indianernessel sah aus, als hätte sie unterwegs mit dem Wind über ihre Frisur gestritten. Als sie sich Bergamotte nannte, war die Teerunde verwirrt. Der lateinische Name half: Ein Spitzname ist kein botanischer Pass.

Geprüfte Information. Monarda didyma gehört zu den Lippenblütlern und hat essbare Blüten. Bergamot ist einer ihrer englischen Namen; ein Zitrusbaum wird sie dadurch nicht.

Kulinarische Verwendung. Blüten in Lebensmittelqualität geben Getränken ein würziges Aroma. Das Foto zeigt die rote Indianernessel, nicht die für Earl Grey bekannte Zitrus-Bergamotte.

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Foto: Susanne Nilsson · Wikimedia Commons · CC BY-SA 2.0

7. Rucola: der Salat geht in Blüte

Eruca vesicaria subsp. sativa (Eruca sativa)

Eruca vesicaria subsp. sativa (Eruca sativa)

Rucola wollte nicht länger nur ein Blattbüschel sein und zog helle Blüten mit dunklen Adern an. Der Gärtner nannte es Schossen. Der Salat sah darin lieber ein neues Kapitel mit bekanntem Temperament.

Geprüfte Information. Auch die Blüten der Salatrauke sind essbar und schmecken pfeffrig.

Kulinarische Verwendung. Kleine Blüten ergänzen Salate. Nicht jede in anderen Sprachen rocket genannte Pflanze ist Salatrauke; der Alltagsname bestimmt keine Art.

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Foto: Nimmerwelk · Wikimedia Commons · CC BY 4.0

8. Radieschen: die Geschichte geht über der Erde weiter

Raphanus sativus

Raphanus sativus

Das Radieschen wurde stets nach seiner Knolle beurteilt. Über der Erde bereitete sich inzwischen eine kleine Premiere vor. Helle Blüten verkündeten: Die Schärfe liegt in der Familie.

Geprüfte Information. Die Blüten kultivierter Radieschen sind essbar und schmecken würzig.

Kulinarische Verwendung. Sie setzen einen kleinen Geschmacksakzent. Das Foto zeigt Raphanus sativus; Ähnlichkeit allein macht eine unbekannte Pflanze nicht essbar.

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Foto: Kinori · Wikimedia Commons · Public domain

9. Gänseblümchen: eine kleine Rolle im großen Salat

Bellis perennis

Bellis perennis

Das Gänseblümchen verlangte weder einen eigenen Teller noch eine feierliche Ansage. Ein Platz am Salatrand genügte. Geschmack muss nicht laut sein; manchmal verändert eine kleine Rolle das ganze Mittagessen.

Geprüfte Information. Blütenblätter von Bellis perennis schmücken Salate und Kuchen; ihr Geschmack ist mild.

Kulinarische Verwendung. Gemeint ist Bellis perennis in Lebensmittelqualität. Das englische Wort daisy bezeichnet verschiedene Pflanzen und ist keine allgemeine Verzehrerlaubnis.

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Foto: Friedrich Haag · Wikimedia Commons · CC BY-SA 4.0

10. Feijoa: Nachtisch vor der Frucht

Acca sellowiana (Feijoa sellowiana)

Acca sellowiana (Feijoa sellowiana)

Feijoa hörte geduldig zu, wie alle über ihre grünen Früchte sprachen. Dann öffnete sie weiß-rosa Blütenblätter um rote Staubblätter. Das Publikum hatte zu weit vorausgeschaut: Süßes kann schon vor der Frucht erscheinen.

Geprüfte Information. Die fleischigen Blütenblätter der Feijoa sind essbar. Die RHS vergleicht die Süße mit Marshmallows; das ist eine Geschmacksbeschreibung und kein einheitliches Geschmackserlebnis für alle.

Kulinarische Verwendung. Blütenblätter in Lebensmittelqualität können einen kleinen Dessertakzent setzen; Zweige und Blätter sind nicht gemeint. Das Foto trennt helle Blütenblätter deutlich von roten Staubblättern.

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Foto: user:yelod - wikimedia commons משתמש:ילוד - ויקיפדיה העיברית · Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0

Vase und Teller reden weiter

Nicht jede Blüte muss zum Salat werden. Eine würzt, eine andere schmückt, eine dritte wird zum eigenen Gericht. Spannend ist, in einer vertrauten Pflanze eine neue Geschichte zu entdecken.